Stifterbrief Nr. 12

Dresden, im Juni 2014

Jesus spricht: Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. Die wird euch der Menschensohn geben. (Johannes 6, 27, Lehrtext der Losung vom 9. November 2014)

Liebe Stifterinnen und Stifter, liebe Gemeindeglieder, sehr geehrte Damen und Herren,

Vor 10 Jahren wurde die Stiftung Kirchgemeinde Loschwitz gegründet, damit in der nun wiederaufgebauten Loschwitzer Kirche auch in Zukunft geistliches Leben existiere und sich Menschen sonntags zum Gottesdienst versammeln können, um von Wort und Sakrament gestärkt zu werden. Diese Hoffnung hat bisher zu einem reichen und erfüllten Gemeindeleben geführt. Mit den im Gottesdienst praktizierten Sakramenten sind, wie wir alle wissen, Taufe und Abendmahl gemeint. Letzteres gehört bei uns in Loschwitz seit über 35 Jahren zu jedem Sonntagsgottesdienst – als Stärkung der Gemeinschaft mit Christus und untereinander, als Zuspruch und Ermutigung, in einer schuldbeladenen Welt befreit zu leben. Damit „schaffen“ wir uns jene Speise, mit der sich Christus selbst identifiziert hat: ICH bin das Brot des Lebens. Die einende, tröstende und stärkende Kraft dieser sakramentalen Feier für unsere Gemeinde können wir immer wieder nur voller Dankbarkeit erzählen. Vor allem dann, wenn wir sehen, wie unsere evangelische Kirche seit einiger Zeit dabei ist, die sprachlose Sprache des Glaubens, das Sakramentale wie das Rituelle, neu zu entdecken. Es war den Gründern der Stiftung sehr wichtig, dass dieses gottesdienstliche Leben in unserer Loschwitzer Kirche in aller Zukunft so erhalten bleibt.

Im Dezember 2013 konnten wir Dank der Zustiftung einer anonymen Großspende von ca. 100.000 € das Erreichen des gesetzten Zwischenziels von 600.000 € bekanntgeben. Dieses wurde in großer Freude und Dankbarkeit gewürdigt. Vor aller Augen wurde in einem Gottesdienst am 8. Februar 2014 die in der Kirche den Stand des Stiftungskapitals anzeigende Glassäule fast bis zum Rand gefüllt. Aber in den 10 Jahren hat sich für unsere Stiftung auch einiges verändert. Das „ewige Sparbuch Stiftung“ wirft gegenwärtig nicht mehr die Zinsen ab, die wir damals erhofft hatten. Das Landeskirchenamt hat unmissverständlich signalisiert, dass die neue Landessynode weitere schmerzhafte Einsparungen wird beschließen müssen. Vor diesem Hintergrund zeigt sich, wie wichtig und bedeutend unsre Stiftung als bleibende Aufgabe für unsere Gemeinde ist: Wir können den scheinbar alternativlosen und wie ein ehernes Gesetz proklamierten Einsparungen und Kürzungen unsere eigene Kraft wirksam entgegen setzen, wir praktizieren die im Glauben begründete Hoffnung und Zuversicht als praktische Vernunft verantwortlichen Handelns. Die mit der Stiftung entstandene zusätzlich entstandene Finanzierungsquelle wird damit zu einer immer stärker werdenden Säule, das von den Menschen gewünschte wie erfahrene seelsorgerliche Handeln der Mitarbeiter unserer Gemeinde zu stützen und damit eine lebendige Gemeinde zu erhalten. Erst jüngst hat eine Studie der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) zu den Wünschen und Erwartungen der Gemeindeglieder an ihre Kirche genau jene Elemente bestätigt, die uns seit den Veränderungen in der Kirche so wichtig sind: Die Kirche muss den Menschennahe bleiben in einer überschaubaren Gemeinde, die Mitarbeiter müssen Zeit für die Menschen haben. Wir werden auf unserer Stifterversammlung am 9. November 2014 über die gewachsene Bedeutung unserer Stiftung genauer berichten.

Unsere Jubiläums-Stifterversammlung, zu der wir Sie hiermit ganz herzlich einladen, findet in diesem Jahr an einem geschichtsträchtigen Datum statt. Am 9. November 2014 jährt sich zum 25. Mal der Fall der Berliner Mauer, das Symbol der ersten friedlichen Revolution in unserem Land. Der jungen Generation, die weder das geteilte Deutschland noch den Mauerfall erlebte, muss auch künftig das Wissen über die eigene Geschichte vermittelt werden. Erst im wiedervereinigten Deutschland konnten wir unsere Loschwitzer Kirche wieder aufbauen. Zuvor, im Juni 1988, besuchte Pfarrer Ulrich Wagner mit Gemeindegliedern aus München-Trudering die Loschwitzer Kirchgemeinde. In der Kirchruine wurde damals am Feuer feierlich beschlossen, den Wiederaufbau der Loschwitzer Kirche vorzubereiten: „Nach fünf Schlägen der großen Glocke, die die ergriffenen Zuhörer an die heiligen fünf Wunden unseres Herrn Jesus Christus erinnern, dessen Gotteshaus seit seiner ruchlosen Zerstörung im unseligen Jahr 1945 Ruine sein muss, fassen die nach einer aufrüttelnden Rede eines ortfremden geistlichen Herrn aus München-Trudering, Ulrich Wagner genannt, den spontanen, aber ernsthaften und von tiefen Gottvertrauen geleiteten Entschluss, dieser Schmach ein Ende bereiten zu wollen und die ehrwürdige Kirche zu Loschwitz wieder aufzubauen…“ Am 29. Juli 1989 wurde in München der „Verein zum Wiederaufbau der Evangelischen Kirche Dresden-Loschwitz“ gegründet. Im November 1989 proklamierte der Wiederaufbauausschuss der Kirchgemeinde Loschwitz in einer Gemeindeversammlung öffentlich den Beginn des Wiederaufbaus der Loschwitzer Kirche und eröffnete das dafür notwendige Konto. Zum 1. Elbhangfest am 29. Juni 1991 erfolgte in einem Gottesdienst vor der Kirchruine die symbolische Grundsteinlegung für den Wiederaufbau der Loschwitzer Kirche. Zum Kirchweih- und Erntedankfest, am 2. Oktober 1994, konnte die Loschwitzer Kirchgemeinde zusammen mit vielen geladenen Gästen in einem Festgottesdienst die wieder aufgebaute Kirche in Besitz nehmen. Wir freuen uns, dass zu unserer Jubiläums-Stifterversammlung am 9. November 2014 Pfarrer i.R. Ulrich Wagner aus München den Gastvortrag halten wird.

Wir sind auf einem sehr guten Weg, den nun auch immer mehr andere Gemeinden gehen wollen. Wir bleiben auf dem Weg, wir bleiben unterwegs, weil uns die Zeit – und am Ende können wir auch sagen: – weil uns Gott vor neue Herausforderungen stellen wird. Mit einem herzlichen Dank an Sie: bleiben Sie als Stifterin und Stifter den Zielen unserer Stiftung verbunden und gehen Sie auch weiterhin mit uns auf diesem Weg.

Vorstand der Stiftung Kirchgemeinde Loschwitz
Dietmar Selunka
Rainer Staudt
Paul-Gerhard Weber

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