Stifterbrief Nr. 3

Dresden, im September 2006

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Leser,

Uns erfüllt die Hoffnung, dass uns innerhalb von 5 Jahren soviel Geldmittel zufließen werden, damit wir vom Ertrag des Stiftungskapitals anteilig die Arbeit in Verkündigung und Seelsorge auch aus eigener Kraft mit finanzieren können, um, wie es in der Satzung formuliert ist, eine lebendige Gemeindearbeit in Loschwitz zu befördern und so auch die Eigenverantwortung der Kirchgemeinde zu stärken. Wir sind auf die Hilfe aller Gemeindeglieder, aber auch auf fremde Spender angewiesen.

In der Kirche haben wir nun den aktuellen Stand des Stiftungskapitals für jeden sichtbar gemacht. Wir können sehen, wie das Stiftungskapital im Lauf der Zeit anwächst. Leider müssen wir feststellen, dass im Vergleich zu 2005, dem Jahr der Stiftungsgründung, der Spendenzufluss 2006 zurückgegangen ist. Deshalb appellieren wir an alle Gemeindeglieder, mit ihrer Unterstützung für die Kirchgemeinde Loschwitz nicht nachzulassen. In einem Stifterbuch, welches zu allen kirchlichen Veranstaltungen in der Kirche ausliegt, werden alle Spender in alphabetischer Reihenfolge jährlich aufgeführt.

Die Geschichte der Kirche ist schon immer mit dem gezielten Sammeln von Spenden verbunden gewesen. Für den Geber hat der Apostel Paulus auch eine gute Empfehlung bereit: „An jedem ersten Tag der Woche lege ein jeder von euch bei sich etwas zurück und sammle an, soviel wie möglich ist, damit die Sammlung nicht erst dann geschieht, wenn ich komme.“ Man soll wohl von seinem Überfluss abgeben und von dem, was man entbehren kann. Wichtig für den Geber ist vor allem, dass er nicht herablassend, sondern bewusst und gern gibt. Denn: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb!“ Gib also, was du kannst, hilf, wozu du fähig bist, verwende es, wie es recht ist. Das ist der Kern der Ethik des Spendensammelns oder des Fundraising, wie es heute heißt.

Das Stiftungskapital kann auch mit vielen kleinen und regelmäßigen Beiträgen anwachsen.
Wenn Sie zum Beispiel monatlich 20 € per Dauerauftrag spenden könnten, hätten Sie in reichlich 4 Jahren 1.000 € in die Stiftung gegeben. Wenn alle Gemeindeglieder in dieser Weise die seelsorgerliche Arbeit der Kirchgemeinde Loschwitz mit befördern würden, wäre bereits nach 4 Jahren der Stiftungszweck erfüllt. Bedenken Sie dabei, dass Sie für den Besuch einer kulturellen oder sportlichen Veranstaltung, für eine Vereinsmitgliedschaft oder für ein Mittagessen in einer Gaststätte meist mehr als 20 € ausgeben.

Die Strukturreformen in der Landeskirche Sachsens, die wegen rückläufiger Kirchenmitgliedszahlen aus finanziellen Zwängen erfolgt, führt zu einer Reduzierung der seelsorgerlichen und Verkündigungsarbeit in den Kirchgemeinden vor Ort. Wir bezweifeln, ob das der richtige Weg in die Zukunft ist, Ortskirchgemeinden von einer festgelegten Mindestzahl von Gemeindemitgliedern abhängig zu machen.

Es erfüllt uns mit Sorge, dass bei der Vereinigung der Kirchgemeinden von Blasewitz, Strießen und Tolkewitz einer von 4 Pfarrern gehen musste.

Andere Kirchgemeinden in Dresden, die früher einmal zu der Superintentur Dresden-West gehörten, haben sich zu einem großen Kirchspiel (Vorstufe einer Vereinigung) Dresden-West mit 6.000 – 8.000 Kirchenmitgliedern zusammengetan.

Aus dem ländlichen Gebiet um Altdöbern (Brandenburgische Kirche) wurde gemeldet, das dort 2 Pfarrerinnen und 1 Pfarrer 40 Dörfer mit 20 Kirchen seelsorgerlich betreuen sollen. Die Dörfer liegen weit verstreut. Um ihre Aufgaben zu erledigen, verbrauchen die Pfarrer ein Vielfaches an Benzin und Zeit. Die diakonische Arbeit stößt an ihre Grenzen. Sonntagsgottesdienste sind nicht denkbar ohne Hilfsprediger oder Praktikanten. Altenarbeit und die gesamte Kinderarbeit sind nur noch ehrenamtlich möglich. Das führt zu einer Überforderung der Pfarrer und kirchlichen Mitarbeiter. Es gibt Kommunikationsprobleme und die christliche Botschaft wird kaum in der erforderlichen Weise weitergeben werden können.

In einer Dresdner Sonntagsrede im Schauspielhaus 2006 sagte Bischöfin Käsmann:

„Wir leben in Deutschland in einer Situation, in der Staat und Kirche getrennt sind, in der zum einen die Säkularisierung deutlich erkennbar ist durch zurückgehende Kirchenmitgliedszahlen und schwindendes Glaubenswissen. Zum anderen ist so etwas zu verzeichnen wie eine Renaissance der Religion.

Wir leben in einer religiös pluralisierten Gesellschaft, in der zu den christlichen Kirchen Wahlalternativen bestehen, um den Sinnfragen des Lebens begegnen zu können. Trotz dieser veränderten Bedingungen ist unsere Gesellschaft geradezu auf die Kirche angewiesen. Sie muss wissen, wo sie steht und was sie glaubt, woran sie sich orientiert, zu welchen Werten sie steht, allein um klären zu können, wohin denn Zuwanderer zu integrieren sind.

Unsere Kirche tritt ein für ein Konzept von Gemeinschaft im Zeitalter der Vereinzelung, für Solidarität statt Egomanie in der Ich-Gesellschaft. Das heißt, es geht um eine Gemeinschaft, die vor Gott tritt, singt und betet, Gottes Wort hört und das Abendmahl miteinander feiert. Gerade das Abendmahl ist das Zeichen der Gemeinschaft durch die Zeiten hindurch und um den ganzen Globus herum.

Mitten in der Gesellschaft halten wir die Sinnfrage wach. Lebenssinn kann ich nicht kaufen. Sinn wird mir geschenkt, zugesagt von Gott selbst. Unsere Kirche sagt diese Rechtfertigungsbotschaft mitten hinein in die Leistungsgesellschaft. Die Botschaft von der Rechtfertigung allein aus Glauben sagt: Du bist etwas wert! Sie sagt Menschen Lebenssinn zu, unhabhängig von dem, was sie verdienen. Unsere Kirche tritt ein für die Würde des Menschen insbesondere am Lebensbeginn und am Lebensende.

Unsere Kirche tritt ein für Kultur und Tradition in einer Zeit der Kurzlebigkeit. Sie tritt ein für Werte und Orientierung, für standhafte Menschen, die Mut haben, diese Gesellschaft verantwortlich mit zu gestalten.“

Dafür stehen wir auch als Loschwitzer Kirchgemeinde. Unsere Kirche in Loschwitz soll ein lebendiger Ort sein, von dem Halt und Orientierung in einer oft verwirrenden Umwelt ausgehen. Auch für die Loschwitzer Einwohner, die meist schon über mehrere Generationen atheistisch und glaubensfern aufgewachsen sind, stehen die Türen unserer Kirche offen Mit der Stiftung Kirchgemeinde Loschwitz soll dieses Fundament, auf dem wir stehen, noch fester vor Ort verankert werden.

Mit unserem herzlichen Dank an Sie verbinden wir auch die Bitte:
begleiten Sie uns weiter auf unserem Weg.

Vorstand der Stiftung Kirchgemeinde Loschwitz:
Justus V. Barm, Rainer Staudt, Paul-Gerhard Weber

Konto der Stiftung bei der Landeskirchlichen Kreditgenossenschaft Sachsen eG.
Kontonummer: 102 559 029 · Bankleitzahl: 850 951 64

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