Stifterbrief Nr. 9

Dresden, im Juni 2011

„Die auf den Herrn vertrauen, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. (Jes 40, 31)

Liebe Stifterinnen und Stifter, liebe Schwestern und Brüder, sehr geehrte Damen und Herren,

mit dem biblischen Wort aus dem Propheten Jesaja grüße ich Sie ganz herzlich als Pfarrer der Loschwitzer Gemeinde in Namen der „Stiftung Kirchgemeinde Loschwitz“.
Wie sie alle wissen, werde ich meinen Dienst im September dieses Jahres beenden und in den vorzeitigen Ruhestand treten. Ich schaue auf 30 Jahre einer wunderbaren, hochinteressanten wie herausfordernden Dienstzeit zurück, in der ich viele Veränderungen und auch Brüche miterlebt habe und in denen ich auch das eine oder andere mitgestalten konnte nach meinen Möglichkeiten und Kräften.

Als ich im September 1980 meine Arbeit in Loschwitz begann – zunächst nur als Vertretung, bald aber als Inhaber der 1. Pfarrstelle, – gab es immer noch zwei Pfarrstellen, die für etwa 2500 Gemeindeglieder die gemeindliche und seelsorgerliche Arbeit leisteten. Wir hätten uns damals nie vorstellen können, dass 20 Jahre später durch große gesellschaftliche Veränderungen die jahrhundertealten Grundstrukturen der Kirchgemeinden zur Disposition gestellt würden, in dem man neue Verhältnisse, neue Relationen und neue Beziehungen der Kirchgemeinde konstruierte, um sie den materiellen, sprich finanziellen Verhältnissen und Ressourcen der Kirche anzupassen. Wir erleben diesen Prozess in der Bildung von Großgemeinden in unserer Stadt und im ganzen Land. Da die Kirche für die kommenden Jahre einen weiteren Rückgang der Gemeindegliederzahlen prognostiziert – erhoben durch das „Vertrauen“ in die statistischen Parameter – sind auch weitere Sparmaßnahmen mit entsprechenden Neustrukturierungen von Gemeinden vorgesehen. Welche Perspektiven sich dabei abzeichnen, konnte ich unlängst bei einem Gespräch mit Erschütterung wahrnehmen: Ein Bekannter erzählte während des Kirchentages, dass im Bistum Essen (röm.-kath.) Gemeindezusammenlegungen erfolgen, bei denen für 16.000 Gläubige zwei Pfarrer vorgesehen sind. Auch wenn es Unterschiede zwischen den beiden Großkirchen gibt, in dieser Frage ist das Handlungsmodell gleich.

Dass wir in Loschwitz und Wachwitz, diesen unseren Stadtteilen mit gewachsener Struktur und lang entwickelter Identität, diesen Weg nicht mitgegangen sind und auch nicht mitgehen werden, erweist sich mehr zukunftsträchtig, als dass es atavistisch gescholten werden könnte. Wir können uns glücklich schätzen, dass das Vertrauen in die Menschen, das Vertrauen in die Ortsgemeinde, ihre Identität zu wahren, sich in der Gründung und Entwicklung der Stiftung so überaus positiv bewährt hat und uns zu einer Perspektive der Zuversicht und großen Dankbarkeit hinsichtlich der Zukunft geführt hat. Viele große und kleine Spender haben bisher so beeindruckend die Stiftung entwickelt und getragen.

„Die Kirche baut sich von unten auf“, diese Überzeugung, die auch bei einzelnen Foren des Kirchentages zum Ausdruck kam, beseelt uns, denn sie ist das historische Grundmuster aller missionarischen Arbeit. Der Apostel Paulus und viele seiner Mitstreiter haben Gemeinden gegründet, indem sie Menschen in Städten und Dörfern besuchten und sich aus diesen Begegnungen kleine, überschaubare und lebbare Einheiten – Gemeinden entwickelten.

„Von unten“ bedeutet, von den Menschen, von den konkreten Lebensräumen aus denken. Die Verkündigung des Wortes Gottes geschah und geschieht unverzichtbar in Räumen, die Nähe und Wärme ermöglichen, menschliche Begegnungen von Angesicht zu Angesicht. Deshalb ist der Begriff der „Nähe“ so wichtig: Wir wollen als Kirche den Menschen nahe sein – räumlich und geistig. Und die Menschen können der Kirche nahe sein, indem sie in ihrer Nähe wohnen, mit der Möglichkeit. sie jederzeit aufzusuchen, um dort Hilfe und Zuspruch zu erfahren.

Vielleicht entscheidet sich vieles vom Schicksal der Kirche auch an dieser erfahrbaren oder verhinderten Nähe zu den Menschen.

Im Rückblick auf die vergangenen Jahre denke ich voller Dankbarkeit an die vielen Menschen, die mitgearbeitet haben an dem großen Organismus Gemeinde, der sich äußerlich als Bauwerk wie auch direkt erlebbar als menschliche Gemeinschaft so ermutigend entwickelt hat. Alle Hingabe und aller finanzielle Einsatz waren und sind eine Antwort auf die Liebe Gottes, die ein jeder in dem Klima der Sympathie innerhalb der Gemeinde erfahren kann.

Ich wünsche mir deshalb sehr, dass unsere Gemeinde weiter so lebendig und vielfältig das Evangelium von der Liebe Gottes verkündigen und leben möge. Denn daraus wird weiterhin alle geistige und materielle Kraft erwachsen, dass auch künftige Generationen sagen können: Die „Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz“ ist unsere Heimatgemeinde.

Mit herzlichem Dank an Sie und der großen Bitte:
Gehen Sie weiter mit uns auf diesem Weg!

Im Namen des Vorstandes der Stiftung Kirchgemeinde Loschwitz
Ihr Pfarrer Dietmar Selunka

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